
|
Der Zweck der Moral über das Gesetz hinaus
Über das Gesetz hinaus ist jeder Mensch frei, nach eigenen Richtlinien, Maßstäben und Verhaltensregeln sein Leben zu meistern.
Das erste Credo der emanzipierten Moral ist die Freiheit!
Emanzipierte Moral ist
1. ein Verhaltensangebot und
2. die sittliche Selbstentscheidung zu ihr oder gegen sie.
3. Niemand diktiert unter Androhung von Gottesstrafe die Moral.
4. Bindend für jeden ist nur das demokratisch sanktionierte Gesetz.
(Einige der dauerhaften Grundregeln sind in Form von verbotenen Straftaten: Mord, Diebstahl, Betrug usw. - schon fest in den Gesetzen verankert.
Die Definitionsfelder von Moral und Gesetz überschneiden sich.)
Mit zweien dieser Verhaltensgrundsätze, die hier im Abendland hohe Bedeutung erlangt haben, wollen wir uns jetzt auseinandersetzen, dem kategorischen Imperativ und der Nächstenliebe:
Der kategorische Imperativ von Immanuel Kant empfiehlt als unbedingtes ethisches Pflichtgebot, so handeln zu sollen, dass die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzesgebung gelten könnte.
"Was du nicht willst, das man dir tu,/ das füg´ auch keinem andren zu!", reimt der Volksmund und meint damit wohl das Gleiche wie Kant.
Jesus von Nazareth sagte: "Was du dem geringsten meiner Brüder tust, das hast du mir getan!" Dies war einer der Sätze, mit dem er seinen "kategorischen Imperativ" der Nächstenliebe begründete. (Es sei an dieser Stelle erwähnt, dass man schon im vedischen Zeitalter, lange vor Buddha, ähnliche Sätze der Nächstenliebe kannte.)
Inwieweit könnte ein freier Mensch dazu angehalten sein, sich diese Sätze zu seiner Lebensmaxime zu machen? Was für einen Vorteil können sie ihm bieten?
Erstens erweitern Rücksicht und Empathie dein Panorama, zweitens geben sie dir die Erfahrung, von anderen zu lernen und drittens bringen sie dir die Liebe entgegen, die dich wertvoll, gemeinschaftlich, selbstbewusst und glücklich macht.
Glücklichsein ist der Anzeiger für kosmischen Gleichklang und "Auf den richtigen Weg gebracht".
Von autoritärer, puritanischer Moral, die den Gleichklang zum Missklang macht und die bei Vielen leider die Moral insgesamt diskreditiert, ist hier nicht die Rede.
Deswegen reden wir hier von der emanzipierten Moral, eine aus dem Unbewussten hervorgebrachte, kommunizierte und gewollte Sittlichkeit.
Der Ökonom David Ricardo (17./18. Jahrhundert) wies mit seiner Theorie des komparativen Kostenvorteils einen beiderseitigen Vorteil einer Zusammenarbeit auch mit Ländern, die auf sämtlichen Gebieten unproduktiver arbeiten als man selber, logisch nach. Sprich: Es gibt ein Naturgesetz von Gemeinschaftlichkeit, dass sie, wenn sie angenommen wird, beiderseitige, auch materielle, Vorteile bringt.
Jeder hat die Freiheit in Erfahrung zu bringen, dass Zuwiderhandlungen Handlungen gegen den Freiheits- und Lebensraum anderer sind, die - per Gemeinschaftsvertrag (Gesetze und Moral) unter dem Schutz der Gemeinschaft stehen.
Kein Gott wird die Gebotsbrecher bestrafen. Es sind die Menschen, die sie mit Gerichtsurteilsvollstreckungen (bei Gesetzesbruch) oder Zurechtweisungen und Liebesentzug (bei moralischen Verstößen) bestrafen.
Jedem steht es frei, abzuwägen, ob er die Nachteile tragen oder lieber die Vorteile einer empathischen Charakterbildung nutzen will.
|
|
|