Was ist das "Ich"?
Beginnt es erst mit der Geburt?
C.G. Jung entdeckte, neben dem individuellen Unterbewusstsein, das - noch tiefer liegende - kollektive Unbewusste einer archetypischen Symbolwelt, die aus den Erfahrungen des jetztigen Lebens nicht stammen können. Eine Es-Welt, die im "Selbst" 1) verankert ist, und deren gespeicherte Erinnerung bis in die Anfänge der Menschheitsgeschichte reicht - und darüber hinaus.
Jung begreift das Unbewusste als größte Macht im Ich, d.h. im Selbst.
Die zeitlichen Existenzgrenzen eines Individuums können mit seiner Geburt und seinem Tod nicht so scharf gezogen werden. Ur-Erinnerungen werden über Jahrmillionen weitervererbt, Erinnerungen, die jetzt in unseren Stammhirnen abgespeichert sind.
Zudem verändert sich das ganze genetische Programm durch Anpassungs- und Mutationsprozesse der Lebenskämpfe im Laufe der Evolution. Eine Essenz der ganzen Lebenserfahrungen der Toten geht so in das genetische Programm als geronnene Erinnerung ein.
Déjà-vu-Erlebnisse, den Eindruck, Räume schon mal gesehen zu haben, die man aus der jetztigen Lebenszeit nicht kennen, aber trotzdem beschreiben kann, sind bekannt.
Es gibt Leute, die einen anderen Körper wollen.
Es gibt Leute, die ihre Sexualität ändern wollen, ohne körperlich transsexuell zu sein.
Es gibt Leute, die sich freiwillig amputieren lassen, um sich wohler zu fühlen - und sie fühlen sich hinterher auch wohler, "identischer" - ohne dass ein psychischer Schaden vorliegt!
Sind diese Phänomene nicht ein Beleg für segmentive "Kopierunfälle", Kopien aus den schon toten "Originalen", die in ein neues Leben drängen, das mit dieser "verunfallten" Kopie identisch ist?
Ist das kollektive Unbewusste nicht der Es-Anteil unserer Lebenswahrnehmung, die in allen Menschen, zum Teil sogar in den Tieren und Pflanzen steckt?
Ist es nicht so, dass die Urbausteine der Evolution in die nächst höhere Entwicklungsstufe Eingang finden, sodass der komplette Bauplan der Evolution in dem Genom der Menschen geschrieben steht?
Werden wir mit unserem kollektiven Unbewussten nach unserem Ableben nicht in dem kollektiven Unbewussten der noch Lebenden erwachen?
Und zwar auch mit der Bewusstheit, zu leben, weil der Triebanteil auch die Ego-Wahrnehmung prägt? Und nicht unser Verstand, der lediglich ein intelligentes Übersetzungsprogramm ist. (Jedes Tier, jede Pflanze hat die Wahrnehmung, zu leben!)
Ist das kollektive Unbewusste nicht die polymorphe Schnittmenge, in der wir alle sind?
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1) Das "Selbst" ist bei Jung umfassender zu verstehen als das "Ich".
