Der Sinn des Todes liegt im Sinn der Evolution.
Die meisten Tiere haben in ihrem Plan - dem der Evolution - eine Doppelfunktion: die Funktion der Fortpflanzung seiner Spezies und die der Speise für ein anderes Tier.
Innerhalb der Rasse streiten sich die Männchen um die besten Weibchen und die besten Futterplätze. Wer das Beste zum Fressen bekommt, wird stärker als er eh schon ist.
Wer die besten, schönsten und gesündesten Weibchen bekommt, schafft eine Grundlage für eine höhere Qualität der Gene seiner Brut, zumal er sich im Konkurrenzkampf auch schon bewiesen hat.
Die schwächsten Tiere werden gefressen und kommen in der Brunftzeit nicht so recht zum Zug.
Die starken Nachkömmlinge bekommen wieder starke Partner, und so setzt sich die Spirale der verbesserten Gene fort.
Das Schwache muss dem Starken seinen Platz räumen. So ist die Planung der Entwicklung angelegt.
Das ist das Prinzip der Auslese, der Motor der Evolution.
Dann kam der Mensch, dem als Naturwesen in vielerlei Hinsicht zwar das Prinzip der Stärke zueigen blieb, der aber als zoon politikon (Aristoteles, Marx) den in der Tierwelt nicht so stark ausgeprägten Schutzinstinkt für seine Rasse immer mehr verstärkte. Er hatte seine Empathie für das Schwache entdeckt und in seine Systeme die Gesetze zum Schutz der Schwachen eingebaut: die Solidarität, oder etwas pathetischer: die Nächstenliebe, mit dem er ein genetisches Vakuum für angemessenes Sozialverhalten erfolgreich füllt. 1)
Der Mensch hat mit seinem Verstand und seinen eigenen Lebenskreisläufen Prinzipien geschaffen, die den Prinzipien der Natur konträr entgegen stehen.
Er hat eine Gewalt geschaffen, die die Bedeutung der Natur für sein Leben etwas weniger bedeutend macht.
Wir haben keine natürliche Feinde mehr.
Die Natur diktiert weniger, die Natur ist uns mehr untertan.
Wir sind die ersten Lebewesen auf dem Planeten, die nicht mehr dem Naturtempo des Evolutionsprozesses unterworfen sind - wir machen uns unsere Evolution selbst!
So gesehen hat der Tod für uns eigentlich keine zwingende Funktionsbedeutung mehr.
Sie ist ein Rudiment aus der Zeit der naturbestimmten Evolution, die in uns abgeschlossen ist.
Dafür leiden wir mit unserer abscheulichen Angst, die uns nur durch Erkenntnis genommen werden kann, ein wenig durch die Polymorphie-Erkenntnis - und später durch den "Tod des Todes" 2), (Nostradamus) das Schaffen des ewigen Lebens selbst.
Aber solange es noch so ist, dass gelernte Programme die Entwicklung der menschheitsinternen Evolution behindern und unbelastete, jüngere Generationen ein schnelleres, produktiveres Tempo vorgeben, der Mensch also zwangsläufig siech und immer lebensunfähiger wird, solange hat das Sterben, auch für die Menschen, noch einen objektiven Sinn.
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1) siehe Artilel: Die Erbsünde
2) Im Jahre 3900 isses so weit - wenn´s nach dem Meister ginge. Er meinte damit die medizinische Lösung. Aber der Datentransport der Gehirnmasse in elektronische Hardware mit Anschluss an andere biologische oder elektronische Körper könnte vielleicht auch - schon viel vorher - eine Lösung sein (siehe Artikel: Der Mensch schafft sich immer mehr selbst).
