Der Lebenssinn des Individuums
Der "Sinn" stellt die Frage nach der Bestimmung.
D.h., dass der Sinn deines So-Seins in deinem So-Sein-Sollen oder So-Werden-Sollen liegt. Das muss in deinem Boden - nicht in der konkreten Ausformung - schon in dir angelegt sein. Sonst könnten wir nicht vom "Sinn des Lebens" reden.
Was ist der Sinn des Lebens?
Der Sinn des Hungernden ist es, zu essen und satt zu werden. Der Sinn des Forschers ist es, zu forschen und ggf. zu finden. Der Sinn des Erkenntniswesens ist es, zu erkennen.
Ist der Sinn des Lebens nicht erfüllt, dann fühlst du seine Anlage, aber die Erfüllung liegt er in der Zukunft. Führst du ein rundum glückliches Leben, dann hast du deine Bestimmung erfüllt, du fährst deinen Lebenszug auf den richtigen Gleisen.
Aber immer tun sich neue Wünsche auf, die erfüllt werden müssen - solange du lebst. Täglich muss Essen auf den Tisch, und täglich brauchst du die Bestätigung: Ich habe noch was zu erledigen, um mich zufrieden zu stellen, um andere zufrieden zu stellen - ich werde "gebraucht". So gesehen ist ein gewisses Maß an Unzufriedenheit, die ständig befriedet werden muss, die notwendige Triebfeder für ein sinnerfülltes Leben. Denn "wunschloses Glücklichsein" würde dein Leben funktionslos, überflüssig und - unglücklich machen!
Unglücklichsein ist eine Alarmsirene der Natur, die dir anzeigt: Du bist auf dem falschen Weg, geh zurück, fang noch mal anders - und besser - an!
Unglücklichsein ist nicht nur eine Strafe, sondern eine Chance. Unglücklichsein gehört ebenso wie Hunger und Durst zum Sprachwerk deines Lebenssinns, um dich darauf hinzuweisen, dass er so nicht erfüllt werden kann.
Der erste Sinngeber für das Leben ist somit als genetisches Programm im Menschen selber angelegt. Der Mensch ist aber nicht durch sich allein. Der zweite Sinngeber ist seine ganze Umwelt, die er sich als Subjektwesen als seine Objektwelt anschaut. 1)
Und erst an dieser Objektwelt - Mama, Papa, Tante, Freunde, Schule, Straßen, Wetter, Himmel, Essen, Klima, Kälte, Wärme usw. wird das Leben wach.
Zu einem geliebten Menschen sagen wir gerne, dass "Du (...) der Sinn meines Lebens (bist)."
Über ein erfüllendes Hobby, oder gar eine erfüllende Berufstätigkeit, sagen wir gerne, dass "es/sie (...) die Erfüllung meines Lebens (ist)."
Dann hat das Töpfchen sein Deckelchen gefunden.
Gewiss ist es aber so, dass die ganze wahrgenommene Objektwelt das Sinnespanorama deines Lebens ist.
Und es ist deine Aufgabe, durch dieses Meer den richtigen Seeweg zu finden, mit der Navigation, die dir die Natur schon mit gegeben hat.
Der Existenzsinn der Menschheit
Den Sinn des Lebens haben wir jetzt für den einzelnen Menschen erklärt. Ein ähnlicher Umriss gilt auch für die Menschheit insgesamt. Auch hier stellt sich die Frage nach der Bestimmung, wenn wir nach ihrem Sinn fragen.
Anders als das Tier muss der Mensch ja sein Kollektivleben verstandesgeleitet, und nicht gänzlich naturvorgegeben, organisieren.
Diese intelligente Arbeit schafft immer effektivere Produktionsmethoden, aus der auch immer wieder eine veränderte Objektwelt erwächst und aus ihr heraus immer wieder neue Bedürfnisse erwachsen.
Gemäß der stets sich verändernden Objektwelt verändert sich auch immer wieder die konkrete Ausformung unseres Lebenssinns.
Sicher bleiben die genetischen Triebanlagen gleich, verhältnismäßig gleich. Aber erstens hat der Mensch einen unzähmbaren Forschungstrieb. Und zweitens wird durch den jede Generation an anderen Objekten, durch ein anderes Objektpanorama, zum Leben wach.
Der Lebenssinn der Menschheit ist offensichtlich die progressive Veränderung seiner Lebensbedingungen, seiner Lebensbedürfnisse, die immer bessere Bedienung dieser und damit seines Lebens selbst.
Die materiellen Ausstattungen werden immer einfacher, immer schneller produziert und preiswerter werden.
Der Mensch wird seine Energien immer mehr in Arbeit konzentrieren dürfen, die ihm Spaß macht.
Der kosmische Gleichklang der menschlichen Lebensnotwendigkeiten mit den Wegweisern der Natur ist dann geschafft.
Er wird mehr und mehr sein eigener Chef, arbeitet aber vernetzt im Team mit Unabhängigen.
Auch hier werden Ego- und Kollektivnotwendigkeiten immer besser harmonisiert.
Das Wissen wird explodieren, die kommunikative Vernetzung wird sich verdichten und verbessern.
Der Mensch wird logischer handeln, vom Wohle seiner selbst. Logik und Gefühl werden nicht mehr widersinnig als entgegen gesetzte Parts gehandelt. Das Gefühl ist ein Operationsbestandteil des Verstandes selbst.
Alle Lebensbereiche werden sinnvoll durchplant, ohne dem Leben seine notwendige Spontaneität zu nehmen. Sie werden im Dienste eines notwendigen Outputs durchdacht: Im Dienst der Liebe, im Dienst des Glücks!
Unwissenheit erzeugt Angst und Hass.
Wissen und Verstehen schlagen sie in innere Freiheit (Gleichklang) und Liebe um.
Eine verstandesgeleitete, wissensgeleitete Erziehung wird glücklichere Kinder produzieren, als eine blinde, affektbegründete Erziehung. Die Liebe immer voraus gesetzt.
Rückschläge müssen und werden wir immer erleiden, aber wenn wir diese mit den Fortschritten aufrechnen, dann steht unter dem Strich ein dickes Plus, das uns anzeigt, dass das Projekt "Mensch" bis dato erfolgreich ist! Es hätte noch erfolgreicher sein können, aber es ist erfolgreich. Immerhin!
Die Zukunft
Der Mensch hat sich durch mannigfaltige Erfindungen ins Industrie-, Raumfahrt- und elektronische Zeitalter erhoben und wird sich noch viel, viel weiter erheben.
Er wird sein Wissen mehren, das ihn aus der gespenstischen Ära der Religionen befreit, er wird extraterristischen Lebensraum erschließen, seine genetischen Anlagen vervollkommnen, sein Leben immer mehr verlängern, seine geistigen Kapazitäten mit technischen Geräten oder elektronischen Speichereinheiten vernetzen und damit vervielfachen. Er wird sich beamen, "klonen" (kopieren), er wird das ewige Leben schaffen (unabhängig davon, dass er durch eine immer tiefere Erkenntis von der Polymorphie seines individuellen Lebens seine Angst vor dem Tod verringern wird).
Der Mensch wird sich aus seiner "Vorgeschichte der Menschheit" (Karl Marx) in seine eigentliche Geschichte erheben, die sich in der Harmonisierung seines Ego-Triebes mit den kulturellen und den Naturbedingungen auszeichnen wird.
Er wird in ein Paradies einkehren, das mit dem verklärten "Garten Eden" nicht vergleichbar ist!
Er wird alle Zersplitterungen überwinden, die die Ausgangsschicksale und Gefangenschaften seines Lebens sind. Vereinigungen sind das große Ziel.
Vereinigungen durch sich immer besseres Verstehen und die Erkenntnis, wie ähnlich wir uns sind. Und dies geschieht durch immer bessere Kommunikation. Unsere Zukunft wird eine kommunikationistische Gesellschaft sein!
Vereinigungen (philosophisch begrifflich) wird der Mensch nicht nur mit seinen Mitmenschen vollziehen, Vereinigungen will und wird er mit seiner ganzen Objektwelt vollziehen, indem sie mit Erkenntnis durchdrungen wird.
Vereinigung ist die Überwindung von Zersplitterung, das ist die Bestimmung, die in der menschlichen Gattung geschrieben steht - dass sich alles verwirklicht, vergegenständlicht (Marx), was heute leider noch die "Menschheitsträume" sind...
Was wird danach noch kommen?
Der Mensch beschleunigte den Entwicklungsprozess der Evolution, indem er seine Funktionen durchleuchtete und sie sich selber unterwarf. Die Potenzierung seiner Präsenz in der Existenz wird den Menschen eine Unverwundbarkeit und Machtfülle verleihen, die ihn quasi zu einem Gott erhebt!
Warum?
Ja, warum!
Die Begründung liegt in den Naturgesetzen geschrieben. Warum fahren die Naturgesetze dieses unglaubliche Panorama ab? Hat das einen Sinn?
Müssen alle Wirkungen einer Ursache zweckorientiert sein?
Ist die Frage nach dem Zweck nicht egoistischer Natur?
Das Ego ist erst mit dem Leben entstanden, der "Wille zur Macht" (Nietzsche).
Die leblose Materie ist nicht zweckgetrieben.
Deren Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge sind maximal als solche zu erklären, aber schlecht auf einen "Sinn" zu hinterfragen.
Sie sind so, wie sie sind.
__________________________________________________
1) Subjekt-Objekt-Exkurs: Das Subjektwesen ist das Individuum was schaut, und die Objektwelt das, was es anschaut. Dazu gehören auch die Menschen um ihn herum. Für ihn gehören sie zur Objektwelt. Jeder dieser Menschen, Tiere auch, sogar die Pflanzen, sind von sich aus natürlich auch Subjektwesen, für die alles andere um sie herum die Objektwelt ist. Wenn ein Subjektwesen sich anschaut, macht es sich selber zu einem Objekt. So gesehen ist das Subjektwesen nicht mehr als ein geistiger Punkt.
