Die Menschenfischer sind kompromissbereiter geworden.
Sie weichen den weltlichen Mächten, um sich selber an der Macht zu halten. Hauptsache der Rubel rollt.
Deshalb bilden sie auch immer wieder neue Fraktionen, die den Anspruch stellen, die Radikalität der heiligen Schrift und/oder ihrer Interpretation in die Realität umzusetzen, statt sie weltlich aufzuweichen....
Auch die Sekten ziehen eine Predigt als Kommunikationsform einer Diskussion vor.
Auch sie kennen Glaubensgrundsätze, deren kritische Diskussion eine schwere Sünde ist.
Auch sie schwören, wie die großkirchlichen Hirten, auf das selbe Buch.
Nur nicht so halbherzig, sondern mit etwas mehr verkniffener, von Angst getriebener Leidenschaft.
Die Fundamentalisten der Christen (nicht nur die der Christen natürlich) schreien in der Tat inbrünstiger nach Gott, als die "Gemäßigteren" es tun. Die haben das nicht so nötig, die verdienen genug.
Den Fundis ist die Toleranz weltlicher Freiheit suspekt. Sie wissen, dass sie nicht aus der Geschichte der Kirchen und nicht aus der Bibel kommt. Sie fürchten um den Verlust der religiösen Substanz, die sie in ihren Zirkeln retten wollen.
Das "Handwerk" haben sie aber von den Großen gelernt, von denen, denen die Macht und die Größe ihres Vereins wichtiger ist, als die "spirituelle" Substanz...
Deshalb behaupte ich: Wer das Wesen einer Religion erkennen will, der schaue auf ihre Fundamentalisten. Sie sind die engagierteren, "ernster zu nehmenden" Gläubigen dieser Religion! Soweit "überzeugte" Gläubige - also die (logisch widersprüchliche) Glaubens-Überzeugung - überhaupt ernst zu nehmen ist/sind.
Bemerkenswert ist die Positionierung der Kirchen gegen die Sekten.
Es ist eine geschickte PR, den Sekten Gehirnwäsche zu unterstellen, wobei die sich doch im Grunde der selben Suggestionstechnik bedienen.
Jeder, der sich auf das Themengebiet der Kirchen wagt, wird, von Kirchen und Weltlichen, der Gründung einer Sekte bezichtigt, die unlautere Religionsausübung betreibt. Die weltliche Seite unterstellt zusätzlich Verschrobenheit und Frömmelei. Oft natürlich zu Recht.
Die Kirchen aber halten sie - die Weltlichen - zu sehr aus der Schusslinie heraus. Die Kirchen haben selber dafür gesorgt, dass die Buhmann-Funktion eine andere Gruppe innehat, oder andere innehaben.
Die Weltlichen befriedigen an den Buhmännern ihren Gerechtigkeitssinn und helfen den Kirchen, dass deren Monopolstellung auf dem Markt der Erlösung gesichert bleibt.
Die weltlich ausgerichteten Christen bejahen die Demokratie, ihre Toleranz, die modernen Staatsverfassungen und die Menschenrechte. Sie fühlen in dieser Weltlichkeit den Geist der Liebe und der Gerechtigkeit und interpretieren ihn gewiss als "Gottes Wille". Sie lesen in ihren Herzen und damit in dem Buch, dass wirklich der Autorenschaft "Gottes" unterliegt - wenn wir uns mal auf diesen Sprachgebrauch einlassen mögen. Gleichzeitig versuchen sie jedoch, die moderne Freiheit auf ein biblisches Fundament zu stellen, sie mit der Religion zu verknüpfen. Diese "weltlichen Christen" lesen in ihren Herzen und versuchen, das Erlernte (aus dem Religionsunterricht) dieser Herzenserkenntnis zu unterwerfen. Sie interpretieren das Heilige Buch um. Im Grunde ist das aber ihr Herz - und ganz andere Schriften als die Bibel - denen sie folgen, und zwar zu Recht folgen!
Die Schrift der Bibel umhängt sie nur noch wie eine tote Haut, die ihr evolutionierter Geist im Inneren schon längst abgestoßen hat...
