(Betrachtungen eines Materialisten)
Was war zuerst da, Materie oder Geist?
Nach dem hier verfolgten Weltbild hat sich die (zeit- und raumrelative) Fülle von der (zeit- und raumlosen) Leere gespalten.
Das Leben ist der leblosen Materie und der Verstand dem Leben erwachsen.
Ist der Verstand Geist? Ja. Aber der Geist ist noch mehr. (siehe Folgetext)
Was ist Materie? (1)
Nicht viel.
Die ganze (zeit- und raumbedingte) Existenz ist ein dicker Teppich Geistwesen namens Geschichte.
Denn Materie ist nur zu dem Zeitpunkt der Gegenwart existent.
Was ist Geist?
In der Zukunft existiert das materiegetragene Gegenwartsleben (maximal) als Vorbestimmung - und in der Vergangenheit als Geschichte. Die Vergangenheit ist nicht mehr da. Materiell. Aber sie wirkt in die Gegenwart als ihre Determinante fort. Ohne diese spezielle Vergangenheit wäre die Gegenwart nicht so wie sie ist. Sie wirkt also in der Gegenwart. Wie? Man sieht, man fühlt sie nicht, und man kann sie nicht als wirkendes Gegenwartsobjekt erkennen. Darum sagen wir hier: Geistwirkung. Warum Geistwirkung? Reicht nicht das Wort: Vergangenheit?
Geist lebt nicht. Der Geist ist tot. Aber Geist wird als Geist (in Form von Erinnerung und Verstand, Bewusstsein, Unbewusstsein und Unterbewusstsein) in der Gegenwart wach.
Ist der Verstand nicht einfach die gegenwärtige Verstandesarbeit des Gehirns?
Nicht nur: Erkenntnis ist immer ein Ergebnis eines Prozesses der Verstandesarbeit. Die braucht Zeit. Das Ergebnis ernährt sich daher immer aus der Vergangenheit. Es ist das Euter "Vergangenheit", das symbiotisch mit dem Verstand, dem gegenwartswirkenden Geist, zusammenhängt. Und darum nennen wir die Vergangenheit hier: Geist.
Was ist Materie? (2)
Was ist die Materie ohne Einbeziehung seiner Determinante Vergangenheit - jetzt, in der Gegenwart?
Nicht viel.
Wir wissen mittlerweile, dass jedes Atom aus Elektronen besteht, die sich in dem Atom ähnlich wie Planeten in einem Sonnensystem bewegen. Der Rest ist Leere. Je tiefer wir die Materie erforschen, umso mehr Leere entdecken wir.
Der Ursprung der Fülle ist die Leere, und wir sollten in unserer Gedankenarbeit nicht ausschließen, ob sie möglicherweise nicht auch ihr Wesen ist.
Also war erst die Leere, dann die Materie, dann der Geist?
Genau genommen, ja.
Aber der Zeitpunkt, zu dem Materie existiert, verhält sich zu dem Zeitraum, in dem die Materie vergeistigt, null zu etwas, also Unendlich zu x.
Fazit: Wo Materie ist, da ist gleichzeitig auch Geist.
Was ist Leben?
Leben ist die Schmerzwunde der Teilung der Existenz in Subjekt- und Objektsein.
Dieser Schmerz wird nur durch Vereinigung mit Objekten geheilt: Essen, Freundschaft, Sex, Erkenntnis. Diese Vereinigungen müssen immer wieder vorgenommen werden. Wissen muss immer erweitert werden. Sonst gibt es Hunger und Frust.
Diese Vereinigungen könnte man mit dem Überbegriff "Liebe" umschreiben. Auch die "Liebe zum Wissen" - die Philosophie - ist Liebe. (Platon hat sie "Eros" genannt. Daher kommt der Begriff "platonische Liebe". Die Liebe zwischen zwei Menschen ohne sexuellen Verkehr ist damit nicht gemeint.)
Liebe ist ein genetisches Programm, das anzieht, verknüpft und Einheiten herstellt, um den Zustand der Zersplittertheit zu überwinden.
Liebe ist der kosmische Merkzettel für die Verfolgung der Zielsetzung der Evolution.
Ist Leben Geist?
Nein. Leben ist Ego, Subjektsein.
Geist ist jedoch überall.
Geist ist Vergangenheit. Und Zukunft.
Geist ist der Gestalter des Lebens, und das findet in der Gegenwart statt. Der Zeitraum ist sein Existenzraum.
Geist ist auch im Stein. Mit Animismus 1) hat diese Feststellung 2) nichts zu tun.
Geist wird insoweit mit uns wach, wenn wir uns erinnern. Oder planen.
Geist ist aber auch insoweit immer in uns wach, weil die Vergangenheit alle Gegenwartshandlung determiniert. Dieser Geist ist lediglich das Unbewusste. Er ist nicht in unserem Bewusstsein präsent.
Leben ist ein Medium des Geistes.
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1) Lehre von der Beseeltheit aller Dinge
2) Ceteris paribus
