(Da der Autor dieses Papiers mit seiner Erziehung mehr im Christentum involviert ist, arbeitet er das Problem, das wir mit beiden Religionen haben, an christlicher Geschichte und Inhalten ab.
Beide haben einen Gott rigider, autoritärer Natur als Herrscher von Moral und Gesetz, dem sich die religiösen Führer - des Islam und des Christentums - in ähnlich aggressiver Form bedienen und bedienten...)
Der Machtmissbrauch steht in der manipulativen Suggestion der Lehre, die bis heute naoch nachwirkt und nachwirken wird, solange Kinder in diesem Glauben erzogen werden dürfen.
"Wenn du nicht glaubst, dass der Gott, von dem ich spreche, dein Herr und Gebieter ist, wenn du nicht glaubst, dass er mit goldenen Flügeln vom Himmel geflogen kam und ich hier als der legitimierte Stellvertreter deines dich liebenden Gottes zu dir spreche, dann bist du des Todes oder eines ewigen Lebens in der Hölle geweiht!Was geschieht mit dir als Kind, wenn sich aus den Mündern deiner erwachsenen Bezugspersonen gegen eine solche Glaubenslehre kein wütender Protest erhöbe?
Dein die Zweifel treibender logischer Verstand wird dich töten, bevor dein Maul aufgeht! Denken ist vom Teufel, so wie dein Fleisch vom Teufel ist. Denke nicht, GLAUBE!"
Zu meiner Religionsunterrichtszeit war das noch so, dass sich kein Protest, keine Diskussion erhob.
So wagen die Pfaffen heute nicht mehr zu reden. Die Wortwahl ist vorsichtiger und die Tonlage salbungsvoller geworden.
Aber der Text da oben ist der exakte Ausdruck des paulinischen Giftes, und das der apokalyptischen Höllenreiter der Harmagedon-Offenbarung - das sie unseren Kindern noch heute in die Köpfe jagen. Wenn nicht in Originaltext, so doch mit einer mehr bis weniger versteckten Höllen- oder Todesdrohung. Die einen vergiften daran, doch immer mehr werden dagegen resistent, dank der vermehrten Kritik, die die Erwachsenen heutzutage als antitoxischen Gegenunterricht zu verabreichen erfreulicherweise in der Lage sind.
Lest mal Paulus, Petrus, Judas, Johannes usf.! Sie sind die rigiden Prediger, die mit Höllenandrohung und Hass die zerstrittenen Urchristen zusammen pferchten. Sie waren es, die die abstruse Erlösungstheorie als erste in die Welt missionierten. Sie missionierten ein Bild von Jesus, dem der reale Jesus gewiss nicht entsprach.
Die paulinischen Briefe sind die ältesten Schriften zum Thema Jesus. Alle Evangelien wurden erst lange nach der Verfassung der Briefe geschrieben; alles, was im NT zu lesen ist, wurde erst nach - zum größten Teil 2 - 5 Generationen nach der Kreuzigung zu Papier gebracht. Paulus, Petrus und die anderen zu seiner Zeit und nach ihm haben mehr Bedeutung als Jesus im herrschenden Christentum.
Nach der christliche Kirchentheorie ist der Mensch durch die Erbsünde versaut - die bezeichnenderweise nichts anderes als die Erkenntnissünde ist!
Der gläubige Mensch kasteit sich durch seine Lebens- und Leidensgeschichte wie ein Stück Scheiße, das das Leben eigentlich nicht verdient!
Gott, diesen bar jeder Rechtsempfindung hart strafenden Gott, heuchelt der Gläubige dagegen als liebend, gnädig und vollkommen an.
Welche Selbstzerfleischung, welche Schizophrenie!
Dieser praktisch exerzierte Glaubensterror und die Respektlosigkeit vor kritischem Denken diskreditiert alle Lauterkeit.
Wer so seine Untertanen paralisiert, um sich an der Macht zu halten, hält Wahrheit für suspekt!
Wir brauchen eine neue "Bibel":
Ihre Propheten sind die großen Denker wie Freud, Jung, Nietzsche, Einstein, Kant u.a. ähnlichen Kalibers und ähnlicher Coleur."Die Religion birgt Geheimnisse in sich, die dem Verstand unzugänglich sind!", lautet eine beliebte Antwort an die Fragen der "Wissens-Gläubigen".
Moderne feste moralische Grundregeln - aber auch alternative - sollten in ihr, als die neuen Gebote, aufgeschrieben sein. Sie sind veränder-, resp. verbesserbar.
Der Gottesbegriff wird mit den Begriffen Liebe, Freiheit, Menschenrechte, Einheit, Erkenntnis und Frieden ersetzt.
Die Strafandrohung bei Nichtglauben wird abgeschafft.
Der unhinterfragte Glaube wird durch logisches Denken, Pflicht zum Zweifel, Beweisführung und nahe liegende Spekulation ersetzt.
Wir schätzen die Kostbarkeit des menschlichen Geistes, wir sind gegen ätherische Predigt und für kritische Diskussion!
Schön. Steht es uns frei, das zu glauben oder nicht?
Das Leben bietet uns auch so viel, von dem wir nichts, oder nur wenig, wissen. Aber wir bemühen uns darum, es zu wissen.
Dem Gläubigen ist es zu müßig, das zu tun. Gott ist unergründlich, wird ihm eingebläut, und er bemüht sich nicht einmal, die Grenzen des Unergründlichen zu ergründen...
Ihn beherrscht die Angst, das Tabu zu verletzen, Gottes Haus mit den schmutzigen Schuhen seiner Neugier zu betreten. Er hat Angst, in den Apfel zu beißen. (Es war kein Apfel, ich weiß...) Für mich ist dieses System der Tabuisierung nichts anderes als ein subtiles Forschungsverbot.
Christen haben mit schlimmsten Verbrechen gegen andere Kulturen gewütet, weil die ihren "Gott" nicht hatten. Deren andere Götter waren ihnen egal. Was gefälligst Wert für alle hatte, kam zufällig aus dem eigenen -nämlich Gottes gelobtem - Land.
In ihrer Frühzeit hatten sie mit ihrem Glaubensterrorismus ägyptische Kulturgüter vernichtet und der fremden Bevölkerung die neue Religion diktiert. Unermesslich wertvolle Kulturerzeugnisse wurden vernichtet, die möglicherweise unermesslich wertvolle Erkenntnisse über die menschliche Entwicklungsgeschichte hergegeben hätten.
Dasselbe gilt auch für die Maya-Kultur.
Was hat ein Steinzeitvolk dazu gebracht, Pyramiden von höchster architektonischer Baukunst zu schaffen? Was hat sie dazu gebracht, Kalender zu entwickeln mit genauen Datierungen über die Jahrtausende hinaus?
Wir können nicht erklären, wer - hier in der Hochkultur - vor sagen wir mal 5022 Jahren am 2.1. sein Unwesen trieb.
Wie sind die Maya in den Besitz mathematischer und genauerer astronomischer Kenntnisse gekommen? Alle Antworten darauf sind möglicherweise für immer mit dem Feuer des missionarischen Eifers ins Nichts entfleucht.
Das Wesen der christlichen Missionierungsarbeit war und ist die Zerstörung!
Die Religionen, die die Fremdkulturen niederrangen, mit der Arroganz und Herzlosigkeit, kalter, überlegener militärischer Macht, wurden heidnisch oder teuflisch genannt - und projizierten damit nichts anderes als ihre eigene Hässlichkeit.
Mit Gott an ihrer Seite haben sie gequält, gefoltert, getötet, gelogen und gehasst.
Jetzt dürfen sie das nicht mehr, weil Menschenrechte und Waffen zur Verteidigung ihrer - der kirchlichen Grausamkeit abgerungenen - Werte dagegen stehen.
Jetzt haben sie etwas freundlichere Missionierungsmethoden, denn so böse, wie sie gerne wären, dürfen sie nicht mehr sein.
So haben Menschenrechte, Säkularisierung und Religionsfreiheit - noch nicht die wirkliche, die real existierende Religionsfreiheit - diese Herrenorden zu scheinbar zahnlosen Heilsarmisten gemacht. Scheinbar.
Denn noch sind Paulus - und Johannes, der apokalyptische Höllenprophet - die real mehr als Jesus wirkenden Bibel-Stars. Denn noch operieren sie in ihrer Religionserziehung mit diesem paulinischen Gift.
Die Methoden der Menschenfischer sind subtiler geworden.
Sie kennen ihren relativen Machtverlust in den westlichen Gesellschaften und treten leise auf.
Aber glaubt dem sanftmütigen Priestergesäusel nicht, das euch so was wie Gottesnähe suggerieren soll. Das ist nichts als berechnende, angelernte Missionierungs-PR!
Leute, die selbstbewusst auftreten, werden in Sachen Missionierung schnell aufgegeben.
Es sind die Unzufriedenen und Verzweifelten, die ein Erlösungsziel brauchen, die man noch bearbeiten kann, von denen mancher dankbar nach jeder noch so suspekten Erlösungshoffnung greift.
Der Umstand, dass Religion ihre Leiden nicht heilen, sondern nur betäuben kann, ist den Missionaren egal.
Würden die biblischen Priester einsehen, dass ein Psychotherapeut sie in ihrer Funktion als "Seelsorger" überlegen ist und ihn ihren leidenden Schäflein empfehlen statt sich selbst?
Würden sie sich für präventive Maßnahmen gegen seelische Erkrankungen engagieren?
Würden sie die Chance nutzen, einmal die Speerspitze eines gesellschaftlichen Projektes zu sein, das Heilung bringt? Leider nein. Denn das schadete der Beschaffenheit der seelisch Beschädigten als Missionierungsmaterial....
Ich höre allerorten von Christen, wie glücklich sie mit ihrem Glauben sind.
Es ist ja auch tatsächlich immer noch so, dass vor der Kulisse unserer relativ aufgeklärten, säkularisierten, wissensbejahenden Gesellschaft erstens eine erdrückende Mehrheit den angelernten christlichen Unsinn glaubt - und zweitens die Angstmache und die Demütigungen des unerbittlichen, ungerechten und unlogisch agierenden Rachegottes einfach ignoriert und sich für die frohe Botschaft des Jenseitsversprechens mit abgezogenen Texten besoffen betet - gegen Argumente und Selbstkritik immun.
Ich kann in diesem weit verbreiteten Phänomen nur das Ergebnis eine erfolgreichen Gehirnwäsche erkennen, die auch leiser geflüstert als damals offensichtlich immer noch zu gut funktioniert.
Glück und high sein - das sind zwei verschiedene Zustände des Wohlgefühls...
