Dieser Artikel setzt die allgemein anerkannten Erkenntnisse der Evolutionstheorie und der modernen Kosmophysik bis zur Urknall-Theorie voraus.
Wir schauen hier auf unsere Wurzeln, die dahinter stehen.
Allgemein anerkannt ist heute die These, dass unser Universum aus einer raum- und zeitlosen Existenzform kommt, denn Zeit und Raum sind ja Phänomene, die erst durch die Entstehung eines solchen Universums werden. Und etwas, was ohne Zeit ist, kann keine Ursache (außerhalb seines Systems) haben - es ist also die Erste Ursache! Mit dieser einfachen, aber schlüssigen, Überlegung war ein geschlossenes Weltbild geboren, für das wir keinen Gott brauchen.
Wie ist es jedoch möglich, dass "etwas" da ist, aber nicht ursächlich erklärt zu werden braucht und kann? 1)
Eine grundlegende Antwort auf diese Frage hat 1998 die Kosmophysik mit den amerikanischen Physikern Schmidt, Perlmutter und Leibundgut geliefert.
Die konnten sich bestimmte Veränderungen im Leerraum des Universums nicht erklären, bis sie auf eine Annahme stießen, die diese Kenntnislücke schließen könnte.
Sie argumentierten den Gegenpart zur Gravitation, die Antigravitation!
Die Antigravitation zieht nicht an, sondern stößt ab, zerdehnt. Wilde Spekulation oder nahe liegende Spekulation?
Anbetracht der Tatsache, dass für fast alle beobachtbaren Existenzformen quasi spiegelverkehrte voneinander abhängige, sich ergänzende Gegenparts auch empirisch zuzuordnen sind, ist es eigentlich rein logisch und nahe liegend, zur Gravitation der Masse die Antigravitation der Leere zu extrapolieren!2)
Daraus schlussfolgern die oben Genannten, dass Turbulenzen der Antigravitation der unendlichen zeit- und raumlosen Leere das exakte Gegenteil: die endliche Fülle des zeit- und raumrelevanten Kosmos - per Urknall - geboren haben! Und dass unser Kosmos wahrscheinlich einer von vielen, und noch wahrscheinlicher - von unendlich vielen sei. Denn: Ein raum- und zeitloser Zustand ist ein ewiger Zustand! (Und offensichtlich auch ein räumlich unendlicher.) Und es gibt keinen Grund davon auszugehen, dass aus diesem Zustand einmal Geschehenes nicht immer geschieht.
Die Erste Ursache, die eh nicht weiter ursächlich erklärt zu werden braucht, hat mit dieser Theorie auch vor unserem menschlichen Verstand eine größere Plausibilität gewonnen!
Leere braucht nun wirklich nicht weiter ursächlich erklärt zu werden.
Wie ist es aber möglich, dass aus dem Nichts überhaupt irgend etwas kommt? Das ist ein Phänomen, das für uns kaum vorstellbar ist. Aber wenn wir uns anschauen, wie die Atomphysik das Atom in immer kleinere Einzelteile zerlegt erkennt, die sich in verhältnismäßig großen Nichts-Räumen bewegen, wenn wir die feste Materie, mit der wir leben, zu immer größeren Teilen als ein Nichts erkennen, dann mag uns der ursächliche Zusammenhang zwischen dem Nichts und dem Alles vielleicht klarer werden.
Was auch irritieren mag, ist, dass die Antigravitation eine immerwährende Bewegung nach außen ist. Ist es nicht ein Widerspruch, dass sich das Nichts bewegt? Das Nichts kann doch nur statisch sein!
Diese Vorstellung verschafft uns unsere Erfahrung mit der Gravitation. Die schafft ein Zusammenziehen von Materie zu etwas, das wir (subjektiv) als statisch wahrnehmen.
Hier auf Erden machen wir zudem die Erfahrung, dass sich nur bewegt, was energetisch angetrieben wird.
Schon ein paar Kilometer weiter, im All - da wo Leere ist - ist es aber so, dass die bewegten Teile nur durch Energie abgebremst werden können!
Da unser Raum-Zeit-Erleben ein Spiegelbild der Leere ist, müssen wir unsere Erfahrungen von Gravitation und Fülle spiegelbildlich extrapolieren, wenn wir die Leere begreifen wollen, soweit das geht.
Jahrzehntelang behaupteten "wissenschaftliche" Theologen, dass es bei dem Kausalaufbau der Zeit-Raum-Existenz, ja eine Erste Ursache geben müsse, die im Gegensatz zu allem anderen an Objekten der Existenz ursachenlos sein muss! Und diese Erste Ursache sei Gott!
Bis weit in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts war diese theologische These in der Tat ein unschlagbares Argument. Man konnte nur darauf verweisen: Die richtige Antwort kriegen wir noch.
Lange Zeit glaubten wir, dass unser Verstand eben nicht dazu ausreicht, ein geschlossenes Realbild von der Welt, der Existenz, zu erfassen. Wir vermuteten es hinter einem erkenntnistechnisch undurchdringbaren Nebelvorhang des Jenseits, einer Gotteswelt, der Transzendenz.
Religio (Anbindung an Gott, an eine Gottinstanz) muss nicht mehr in wilder religiöser Spekulation liegen, sie liegt tatsächlich in der Wissenschaft!
Die Leere ist unser "Schöpfergott".
Letztlich erübrigt sich so der Begriff "Gott".
Zusatz: Eine interessante, zusätzliche Erklärung zu der Herkunft des Universums, resp. der Universen, beschreibt die Vielweltentheorie (Frank J. Tipler, David Deutsch, Erwin Schrödinger). Dazu habe ich auch einen Artikel geschrieben, ihn aber unter dem Kapitel "Wo gehe ich hin?" abgelegt. Dieses Thema passt zu diesem, dem folgenden, Kapitel ebenso, und dem habe ich - aus der allgemeinen Interessenlage her - den Vorrang gegeben.
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1) Diese Definition des Extrauniversellen als "Etwas" (oder auch als "Alles") ist (wäre) eigentlich schon unzutreffend, weil sie eine Räumlichkeit voraussetzt. Diese Existenzweise, die es aber schlüssig abgeleitet geben muss, ist für uns (inhaltlich) unvorstellbar - und wir haben kein Wort für sie.
2) Siehe SPIEGEL 12/98 "Gottes Urknall"
