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Die Polymorphie der Individualität (II)

Das "Klon"beispiel und die Seelen"wanderung"



Stell dir vor, heute wirst du "geklont".
Nicht, dass eine Samenzelle deiner genetischen Codierung hergestellt wird, die erst einmal zu einem Menschen wachsen und geboren werden muss.
Ich meine eine 1:1-Kopie der Molekularstruktur und Quantenzustände von dir. Mit all deinen Lebenserfahrungen. Meine Hypothese setzt allerdings voraus, dass das zumindest theoretisch geht. (Heute natürlich noch nicht) Auch will ich damit keine Klonierungen befürworten, ich spreche auch nicht dagegen. Mir geht es nur um eine gedankliche Vorstellung, die eine Reflektion eröffnet.
Ich gehe von einem materialistischen Weltbild aus, nach der Bewusstsein, Erinnerung und Gefühle eine materielle "Festplatte" haben.

"Klonierung" beendet. Die 1:1-Kopie steht.
Was empfindest du? Du empfindest nämlich, dass dein "Klon" eine außenstehende Person ist, so wie jede andere auch, eine eigenständige Person, die ab jetzt ein eigenständiges Leben führt, aber zu 99,9999...% das gleiche Schicksal in sich trägt wie du.
Und deine 1:1-Kopie?
Die denkt und fühlt genau so wie du - und wird annehmen, dass du der "Klon" bist, wenn ihm nichts anderes gesagt wurde.

Und jetzt passiert´s: Ihr geht raus auf die Straße, du wirst angefahren: tot!
Was wird dann geschehen?
Dein Leben fährt aus deinem Fleisch, damit hast du nichts mehr zu tun.
Aber du hast doch noch diese Kopie. Du wirst aus deiner Kopie sehen und erleben: Oh, mein Klon (was er ja meint zu sein) ist jetzt tot!

Oder geht das nicht, weil die Kontinuität zwischen dir und deiner Kopie mit der Kopierung gebrochen würde und sie unwiederbringlich eine andere Person geworden ist?

Vergessen wir nicht: Die "Klonierung"/Kopierung hatte deine Person zum Zeitpunkt ihrer Vollendung verdoppelt. Ihr ward zwei, wobei der eine den anderen als außenstehend wahrnehmen musste! Du nimmst dein Ich als außenstehend wahr!

Du lebst in der Kontinuität deines Ich weiter.
Aber deine Kopie lebt auch in der Kontinuität deines Ich weiter!
Nein?
Was wäre, wenn du dich jetzt in ´ner Kneipe volllaufen lassen würdest, statt diesen Text zu lesen? Du lebtest in der Kontinuität deines Ich dein Leben weiter. Aber anders als jetzt.

So geht das auch deiner Kopie: Sie ist du.
Nur dass unsere individualkörperbezogenen Sinne uns verwehren, es so zu empfinden.

Woher kommt "das Ich"?
Wir sind Automaten. Mein Automat ist de facto der selbe - beinahe der selbe - Automat, wie der des Kindes aus der Sahel-Zone, wie der Sprössling Paul Gettys, wie der eines jeden anderen Menschen auf dieser Welt. Es sind alles identische Automaten, wie aus einer Roboter-Maschinenfabrikation.
Nix Originalität, nix Einmaligkeit...
Unsere Leben sind originell. Sie sind aber nicht das Ich. Sie sind die von außen eingespeisten Daten, die wir als "das Leben" registrieren. Das Leben ist nicht das Ich! Das Ich registriert und macht die registrierten Daten zu seinem Leben!

Bestimmte Materialstrukturen und Quantenzustände tragen unser Bewusstsein. Und wenn diese Strukturen anderswo vorkommen - dann auch!
Und ich gehe davon aus:
Identische in lebensfähige Einheiten eingebundene Teilstrukturen tragen auch identische Teile unseres Bewußtseins in sich.
Überall wo Leben ist, sind Materialstrukturen anzutreffen, die sich mit den unseren überlappen. Das ist ein Hinweis auf das (teilweise) Durchkopiertsein unseres Bewusstseins durch die ganze Existenz! Unser Bewusstsein ist polymorph! Unser Geist hat die selbe Nicht-Einmaligkeit wie unser Fleisch. Dein Bewusstsein schaut durch alle Augen der Menschen- und der Tierwelt, und du atmest durch jeden Baum!

Wir nehmen uns als einzelne Inseln wahr, und das ist auch eine Wahrnehmung von Wahrheit: wir nehmen wahr! Aber eine andere Ebene der Wahrheit ist auch, dass wie eine Erde sind...

Leben sind Fenster einer Weltseele. Stirbst du, geht ein Fenster zu. Und überall und immer wieder gehen - durch Geburten - andere Fenster wieder auf. (Diese "Weltseele" existiert aber nur durch unsere Leben und unser Fleisch!)

Der Verlust unseres Bewusstseins von unserer Einmaligkeit braucht unseren Eigenstolz nicht zu schmälern. Weil das Bewusstsein, überall zu sein, unsere Befreiung ist! (Von der Angst vor dem Tod.)

Die Marge zwischen Kopierung und Tod würdest du als unser "Original"-Beispiel (in unserem "Klon"-Beispiel) nicht in die Kopie übertragen. Es gibt für dieses Erleben keine Kopie. (Im Rahmen dieser Polymorphie-Theorie. Aus der Vielwelten-Theorie wären noch andere Möglichkeiten abzuleiten.)

Der Tod wird die Erinnerung an dieses Leben löschen.
Aber Lebensstrukturen (auch marginal[st]e Erinnerungsstrukturen [denke an die déjà-vu-Erlebnisse nach C.G. Jung)], die dein Leben ausmachen und erst in Gang bringen, die sind tausend- und millionenfach kopiert!
Etwas von dir ist überall!
Aber dieses Etwas ist alles im Verhältnis zu deinem Nichts (Tod).
Du kannst das vergangene Leben zwar nicht erinnern. ABER DU BIST DA!
Richtig ist, dass erst deine Umwelt dich zum Leben und bewussten Leben erweckt
Genauer gesagt, ist es das Erleben deiner Umwelt, die dich ich-bewusst werden lässt.
Aber erleben, das tut nicht deine Umwelt, das tust DU mit deiner materiell determinierten Empindungs-, Reflektions- und Erlebnisfähigkeit!

Unsterblich ist nicht "die Seele", unsterblich ist das Fleisch, das immer wieder geboren werdende Fleisch. Die materielle Struktur, die "Leben" heißt...

Das Leben besteht nicht nur aus den konkreten Begebenheiten, die du erlebt hast. Es besteht auch aus der Lust, mit der du sie angezogen hast! Die Begebenheiten haben dein Leben lediglich gefüllt und dieses unverwechselbare Bild gegeben. Aber der Lebenswille ist der Ausgang des Lebens und seines Bewusstseins von sich. Der Wille sagt: JA, ICH WILL! Und dieses "Ja, ich will!" ist in allen Leben genetisch mehr oder weniger gleich oder ähnlich angelegt. Er äußert sich egoistisch - also mit einer Ich-Bewusstheit - weil er an seinen Körpern, die alle einzeln sind, gebunden ist. Aber diese Ich-Bewusstheiten unterscheiden sich so wenig, wie die Materialstrukturen sich unterscheiden, die die Basis dieses Ichs - nämlich die Lust zum Leben - tragen. Aus dieser Lust erwächst dein Ich!





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