Bhagwan Shree Rajneesh machte eine Lebensphilosophie aus einer buddhistischen Schule mit dem Schlagwort "Ganz entspannt im Hier und Jetzt" bekannt.
Sie geht davon aus, dass nur der Zeitpunkt des Jetzt Leben ist, und dass ein Hadern mit der Vergangenheit - oder ein Betrauern vergangener schöner Zeit - oder Angst vor der Zukunft, Angst vor dem Tod die Lebensqualität nur schmälern oder gar vergiftet. Streift die Angst ab und das Hadern, sagt die Philosophie, und das volle Leben wird euch zum Geschenk. Und wer sein Leben voll lebt, aus-lebt, der verpasst nichts, und der hat auch keine Angst mehr vor dem Tod!
Der Text spricht einerseits eine tiefe Weisheit aus. Gleichzeitig kann er aber zu Fehlhandlungen verführen, was nmM nur damit zu erklären ist, dass der Erfinder dieser Meditationstechnik von Verdrängungen, traumatischen Erlebnissen und ihren Wirkungen keine theoretische Ahnung hatte! Zumindest berücksichtigt er die nicht.
Es sind aber nur diese seelischen Belastungen und Störungen, die das Hier und Heute in seiner Lebensqualität so sehr beeinträchtigen, dass der Mensch darunter leidet! Einem anderen bräuchte kein Guru eine entsprechende Entspannungs- und Konzentrationsmeditation anbieten!
Alle das Leben kreuzende Begebenheiten stehen an, gelebt zu werden. Werden sie verdrängt, signalisieren sie aus der Verdrängung ihren Anspruch auf gelebt Werden, bis er eingelöst wird.
Einen an Verdrängung leidenden Menschen musst du zur Beschäftigung mit seiner Vergangenheit animieren, weil die ungelebte Vergangenheit das Erleben der Gegenwart stört! Ein an Verdrängungen leidender Mensch wird - im Maß (!!) seiner Verdrängung - zu einem hohlen Gefühls-Zombie, einem lebenden Toten, wenn irgend eine Meditation oder Therapie sein Dasein mit aller Gewalt auf das Heute justiert!
Die ungelebten Gefühle aus deiner Vergangenheit suchen den Zugang in die Gegenwart, weil in der Tat nur sie das Fenster zum Erleben ist.
Du kannst nicht sterben lassen, was nie richtig lebte. Sterben kann nur das, was seine Energien verbrauchen durfte!
Traumatisierung ist kein ungewöhnlicher Vorgang. Die meisten haben leichtere bis schwer wiegende Traumata auf zu arbeiten!
Keine Flucht in irgendwelche Gegenwarts-Agitationen kann dich vor der leeren, kalten Hölle der Verdrängung retten. Das kann einzig nur das Anschauen der in der Vergangenheit vergrabenen Realität und sein nachgefühlter Schmerz.
Hölle ist der Zustand der Nichtexistenz in der Existenz.
Und das Geschenk des vollen Lebens kannst du dir nur geben, wenn du deine verdrängte Vergangenheit leben lässt! Jedes Leben, das lebt - das Vergangenheitsleben und das Gegenwartsleben - macht in seiner Fülle glücklich!
Ins Leben auftauchender Schmerz ist - nicht mit der kalten Hölle vergleichbar! - er ist süßer Schmerz (Arthur Janov).
