Wir hören nach machen Katastrophen Kommentare wie: "Nach diesen Erlebnissen habe ich meinen Glauben an Gott verloren!"
Oder: "Warum tut Gott das? Warum lässt er das zu?"
Ist es seine Aufgabe, uns Gutes zu tun, über die Vorgabe der Naturgesetze hinaus? Also zu unserem Vorteil Wunder zu leisten?
Wer teilt ihm diese Aufgabe zu?
Wie kommt denn so ein Glaube zustande?
Er setzt offenbar voraus, dass es nur einen guten, uns liebenden Gott geben kann, der die Macht hat, uns Vorteile und Annehmlichkeiten zu verschaffen, und das bitteschön auch zu leisten hat. Wenigstens die groben Dinge.
Wird jedoch erkannt, dass so ein Gott offensichtlich seine Finger aus dem Weltgeschehen heraus lässt, dann gibt es ihn einfach nicht.
Wieso denn nicht?
Was für einen Grund gibt es, anzunehmen, dass ein Gott, der uns geschaffen haben soll, uns auch beschützt, liebt und gerecht zu uns ist?
Wenn schon eine Gottesexistenz voraus gesetzt wird, wieso wird dann seine Liebe und Aufmerksamkeit für uns zwingend voraus gesetzt?
Wäre es nicht so, dass ein Gott, der zu Wundertaten fähig ist, die uns glücklich machen, auch zu Wundertaten fähig ist, die uns nicht so gut tun?
Wieso wird, wenn die Existenz eines Übergeistes von Gottes Potenz anerkannt wird, nicht seine Fähigkeit anerkannt, uns gering zu setzen, zu verachten, zu vernichten und zu quälen - aus Lust und Laune heraus, ohne sich an Gerechtigkeit und Liebe gebunden zu fühlen?
Dabei es ist eben die Bibel der Christen, die - bisweilen schwer einsehbare - Beispiele für Gottes Unerbittlichkeit beschreibt. So mit dem Erkenntnisverbot (Baum der Erkenntnis), mit der Kollektivbestrafung durch die Erbsünde, mit der Forderung nach Kindsopfer, mit einem Genozid durch die Sintflut, mit der einstigen Vernichtung aller Ungläubigen. Aber richtig: "Die Wege des HErrn sind unergründlich!"....
Müssten wir vor einem Gott, der sich dermaßen ungerecht aufführen kann, der mit uns spielen kann wie eine Katze mit der Maus, nicht vor Angst erstarren, Unterwerfung üben und um Gnade flehen?
Wer angesichts erlittener Katastrophen seinen Glauben an Gott verliert, der hat auch vorher nicht wirklich an diesen Gott der Bibel, der Christen geglaubt. Der leitet seinen Glauben auch nicht von der Vorstellung ab, dass so etwas Gewaltiges wie die Erde, die Menschheit und das Universum doch einen Schöpfer haben muss. Der ist von der Vorstellung geleitet, dass Gott die personifizierte, allmächtige Liebe und Gerechtigkeit ist. Wie sind nur solche moralischen menschlichen Kategorien als eigenständiges Gottwesen zu erklären? So ein Gottwesen ist noch viel schwerer zu erklären, als der Schöpfergott.
Das Schöne wird geglaubt, das Negative ausgeblendet. Mit Realitätswahrnehmung, oder wenigstens dem Bemühen um Realitätswahrnehmung hat das wenig zu tun.
An einen guten Gott wird geglaubt, weil an das Gute in uns Menschen geglaubt wird. Wir glauben an die Liebe und die Gerechtigkeit aus uns heraus. Wir glauben, dass wir das Gute wollen, das Böse aber nicht! Das Gute beherrscht uns, nicht das Böse, meinen wir. So wird auch eher an den "guten" als den "bösen" Gott geglaubt.
Der Rachegott ist, trotz biblischer Niederschrift, nicht mehr so sehr in unserem Bewusstsein existent. Warum? Weil viele persönliche Katastrophen wie Krankheiten erkannt, behandelt und geheilt werden können. Weil Präventionsmaßnahmen wie Impfungen, Hygiene, Ernährungsbewusstsein, Sport usw. uns viele Schrecken nehmen und die Erkenntnis gegeben haben, einzig selber etwas für unser Heil tun zu können. Weil unser Leben auch politisch und technologisch menschennaturkomptibler, freier und angenehmer geworden ist! Dieser Rachegott schrumpelt immer mehr auf seine wirkliche Größe zusammen - in Richtung Nichts.
Gott ist das Maß unserer Ohnmacht und unserer Lebensunsicherheit.
Vor Gott haben die umso mehr Angst, je mehr denen eine entsprechende Störung des Urvertrauens zum Leben in der Kindheit widerfahren ist. Religion löst nicht die Leiden, Religion potenziert sie.
Gott ist eine gedanklich metaphysische Übersetzung unserer Leiden, Angst, Gefühle, des Wollens und unserer Hoffnung.
Die gängige Religionspraxis, nach dem wir den freud- und liebevollen Gott gerne anbeten und als real ansehen, den Blut- und Rachegott aber schnell als nichtexistent in das Nirwana schießen, zeigt uns, dass nicht Gott uns gemacht hat, sondern wir ihn...
Liebe und Gerechtigkeit tragen wir in uns, mit dem wir die Liebe und die Gerechtigkeit unseres Gottes messen. WIR messen Gott! Blasphemisch? Wenn wir Liebe und Gerechtigkeit in uns haben, dann können wir sie auch mit der anderer, auch mit der Gottes, vergleichen. Und daraus kann die Erkenntnis wachsen, dass es diesen Gott, dem direkte übernatürliche Eingriffsmöglichkeiten in das Menschenleben und die positivsten charakterlichen Qualitäten eines MENSCHEN unterstellt werden - nach letztiger Erkenntnis nun doch nicht gibt....
