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Zum Wert des Gottesglaubens



Wenn es Gott gibt, dann ist Gott in der Wirklichkeit.
Sonst wäre er ja ein Phantasieprodukt.
Entpuppte sich Gott als ein Phantasieprodukt, verlöre er bis auf den Nullpunkt an Bedeutung.
Fazit: Die Wirklichkeit, resp. die Wahrheit, hat, logisch betrachtet, in unserer ehernen Werteskala einen höheren Wert als "Gott".
Die absolute Lebensorientierung unserer Leben ist folglich nicht "Gott", sie ist die WIRKLICHKEIT!

Oder: Gott ist die Wirklichkeit! Wie beliebt. Wir wissen ja, welche Interpretationsbreite der Gottesbegriff im Laufe seiner Geschichte erleiden musste...
Mit einem Gott, der so definiert ist, wäre ich allerdings einverstanden:
Wenn Gott nichts als die Wirklichkeit ist, dann wäre die Suche nach der Wahrheit und ihre Formulierung die dazu passende Religionsausübung. Die Kommunikationsform des Dialogs stünde über der der Predigt, die Seele wäre unsere Heilige Schrift und das Herz unser Altar! Deine Gedanken und dein Fühlen, deine Liebe, dein Schmerz und dein Schrei wären dein Gebet! Die Unterdrückung allen Widerspruchs wäre Gotteslästerung. Der "überzeugte" Glaube, wäre der falsche Glaube, das Ergebnis von Gehirnwäsche, Suggestion, Angstmache, ein von der Realitätswahrnehmung gereinigter Verstand.

(Mit einem so definierten Gott wären Atheisten meiner Denkrichtung einverstanden, es wäre sogar die einzige Definition, mit der ich einverstanden wäre. Ich würde aber trotzdem nicht etwas so benennen, das ja nicht weniger als ALLES ist... Begriffe haben schließlich den Sinn, von Anderem zu unterscheiden...)


Wir meinen oft im Grunde auch nicht Gott, wenn wir "Gott" sagen, sondern die Natur, die Wahrheit oder die Moral und das Recht als Instanzen, die uns übergeordnet sind.
Und viele werden als selbstverständlich annehmen, dass diese Instanzen doch belebt sein müssen, wenn wir es schon sind. Und sie müssen uns wohl Weisungen geben können, wenn sie uns schon übergeordnet sind. Wir müssen sie nur richtig hören und deuten können.

"Machet euch die Erde untertan!", ist die Weisung der Natur, aus ihren Produkten das Beste für uns, die Menschen, zu machen.
Aus dieser "Aufgabe" heraus positioniert sich auch unser Verhältnis zu unserer Umwelt: Alle Tiere sind geringer als wir, Pflanzen und leblose Materie sowieso. Wir definieren diese Hierarchie nach der Macht, die wir empfinden und erfahren. Wir sehen in der Natur, wie sich die Tiere mit ihrem Willen erheben und Macht ausüben. Das große Tier scheint mächtiger als das kleine Tier zu sein. Und jedes Tier scheint sichtbar mächtiger als die nichtanimierte, passive Pflanze zu sein. Und wir Menschen? Wir sehen, wie wir mit Willen und Intelligenz uns zu den Führern der Erde erhoben. Daraus werden wir die Vorstellung extrapoliert haben, dass alles, was unserer Macht in die Bresche fahren kann, ebenso belebte Macht sein muss, hinter der ein Wille steht. Und aus der Erfahrung des Durchsetzungserfolges unserer Geisteskraft wird uns die Idee erwachsen sein, das alles was so viel größer und Mächtiger ist als wir, eine geistige Überpotenz sein mus...

"Du sollst keine anderen Götter haben neben mir!", ist die Weisung, nur einem Recht zu folgen, nur einer Handlungsorientierung - da es ja, wie das Gebot ja sagt - auch andere "Götter", sprich: anderes Recht, andere Handlungsorientierungen gibt. Hier wird auch nicht um den Glauben an diesen Gott geworben, er wird als existent vorausgesetzt. Die Gottlosigkeit wird nicht diskutiert. Anarchie und Vandalismus - das wird die Anbetung eines "Götzen" sein, der in diesen Schriften einzig als Fehlverhalten angeführt wird...

"Die 10 Gebote - wie die ganze Bibel - sind von Gott autorisiert!", "Der Koran ist von Allah geschrieben!", das soll bedeuten: Die Wahrheit hat sie geschrieben, diese Texte seinen (nach Überzeugung der Autoren) wahr und daher bindend, wie Wahrheit eben nur bindend sein kann. Gewiss mögen Leute wie Moses und Mohammed diese Wahrheit mit der Geistesgröße eines lebendig geglaubten "Gottes" potenziert haben. Letztlich ist mit "Gott" jedoch eine dieser Kategorien wie
Wahrheit,
Natur und
Recht gemeint.






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