Es ist unser deutungssüchtiger Verstand, der uns in einige Nöte brachte (Menschwerdung), und es (ist und) wird auch unser Verstand sein, der uns aus diesen Nöten befreit.
Der Unwissende positioniert sich zwangsläufig in den Mittelpunkt der Welt.(Täte er das nicht, müsste er etwas von den Verhältnissen wissen, in denen er steht.
Z.B. die, dass sich die Erde um die Sonne dreht - und nicht umgekehrt.
Die Erkenntnis hatte unser geozentrisches Weltbild zerstört.
Wir wissen mittlerweile, dass wir als Glied der Evolution gerade mal etwas mehr verstandesbegabt als unsere nächsten Verwandten aus der Tierwelt sind. Verwandt mit den Affen zu sein - die darwinsche Evolutionstheorie bescherte dem naiven Selbstbewusstsein der Menschen damals einen tiefen Riss.
Es ist noch nicht lange her, da gestanden wir den Tieren keine "Seele" zu, geschweige denn einen Verstand.
Mit unserem Zuwachs an Wissen haben wir unser ethisches Verhalten zu den Tieren verändert.
Wir erkannten, dass sie leiden und Schmerz empfinden können, so wie wir. Wir sahen auf einmal ihre Ähnlichkeit mit uns.
Ethik sind in den Verstand übersetzte Solidarinstinkte, die durchaus erst die Erkenntnis weckt.
Pflanzen waren noch länger lediglich Sachen, die man essen konnte oder lieber nicht. Heute können in ihnen Reflexe nachgewiesen werden, die darauf hindeuten, dass auch sie so was wie Schmerz empfinden können. Nahrungsaufnahme funktioniert per se nur mit lebendigem oder lebendig gewesenem Material. (Die Ethik der Vegetarier, nichts lebendig Gewesenes essen zu dürfen, kann daher nicht aufrecht erhalten werden.)
Der genetische Komplex eines Menschen deckt sich mit dem eines Menschenaffen zu 99 %! Die Gleichheit unter den verschiedenen Gattungen ist viel gewaltiger als man denkt.
Das Bewusstsein von der vor Gottes Antlitz bestehenden Besonderheit unseres Lebens gegenüber unserer Umwelt hatte schweren Schaden genommen.
Unwissenheit geht mit instinktiver Fremd- und Feindwahrnehmung und Egozentrik einher.
Erkenntnis bringt uns das Fremde immer näher, zeigt uns mehr und mehr die Ähnlichkeit mit ihm.
Erkenntnis weist uns von der Egozentrik auf die Plätze und in die Emphatie.
Wir sind nichts Besonderes und werden mit unserer Umwelt (auch in unserem Bewusstsein) immer mehr eins. (Was auch die verschiedenen Kulturen betrifft - wenn man gegenseitig das Verstehen Wollen des Anderen aufbringen mag.)
Unwissenheit erzeugt den Glauben an Gott, im Wissen verschwindet dieses Nebelbild.
Es ist der egozentrisch denkende Mensch, der an einen Gott glaubt. Wer in die Peripherie wandert - und das Ganze sieht - verliert diesen Glauben an Gott.
Wissen hat uns die Erkenntnis vom kollektiven Unbewussten beigebracht, das der Teil des Einsseins der Individuen ist!
Und auch die Polymorphie-Theorie, die Theorie von der Vielkörperlichkeit des Individual-Bewusstseins wird eines Tages breite gesellschaftliche Anerkennung finden.
Jetzt wird uns die Wissenschaft nach all den Erschütterungen unseres Selbstwertgefühls also auch noch unser Bewusstsein von der Einmaligkeit unserer Leben nehmen!
Worin auch unsere Befreiung liegt!
Nicht die Einmaligkeit unseres Lebens, sondern die Vielkörperlichkeit ist unser Geschenk!
Unwissen macht egozentrisch und macht Angst.
Wissen macht bescheiden und emphatisch und befreit von der Angst.
Die Angst vor dem Tod ist uns (noch?) nicht mit Ergebnissen aus der empirischen Forschung zu nehmen.
Wir verlängern unser Leben, soweit das möglich ist - und sind dankbar dafür.
Und auch das Bewusstsein vom kollektiven Unbewussten, hindert uns nicht, das zu wollen und zu tun. Auch eine eventuelle von der Spekulation in die Erkenntnis gebrachte Polymorphie würde uns nicht daran hindern, das zu wollen und zu tun.
Die Notwendigkeit besteht, mehrgleisig zu forschen.
So wie das Studium der Naturgewalten uns fähig machte, sie zu beherrschen und keine Angst mehr vor ihnen zu haben, so wird das Studium der Gewalt des Todes ihm ebenfalls seine Schrecken nehmen.
Dafür sind uns nämlich die äußeren Gehirnlappen gewachsen: dass wir sie nutzen, um den Fahrplan unseres Lebens immer besser zu lesen.
Wir sollten uns vergegenwärtigen, was wir an glücksbringendem Wissen schon gewonnen haben, die uns eine begründete Ahnung gibt von der in unsere Leben hinein gegangene und aus unsere Leben hinaus gehende Ewigkeit.
"Die Blume der Ewigkeit" gilt es in dir zu suchen, wie ein geflügeltes Wort aus dem Hinduismus so schön poetisch sagt.
Die polymorphen Erscheinungen sind unsere Blumen der Ewigkeit.
Suchen wir mit diesem Bewusstsein im Garten unseres Lebens diese Blumen immer wieder auf. Genießen wir ihren Platz.
Forschen wir weiter, damit wir sie wachsen und sich vermehren sehen, damit ihre Bedeutung uns immer mehr vertraut und die Ewigkeit schon jetzt, in diesem Leben, zu unserer Heimat wird.
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1) Ein Zitat von Siddhartha Gautama (wenngleich der hier beschrittene Pfad der Erkenntnis der realgeschichtliche und nicht der des Erleuchteten ist.)
