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Empathie und Polymorphie



Der Mensch ist nicht gern allein.
Warum eigentlich nicht?

Erstens gibt es zur Fortpflanzung der Gattung die Sexualität, und zu ihrer Ausübung brauchen wir einen Partner, eine Partnerin. Wird uns die Natur nicht von daher einen Geselligkeitstrieb mit gegeben haben?

Zweitens bringt es die Arbeitsteilung, dass wir aufeinander angewiesen sind. Geselligkeit ist also zudem auch eine kulturelle Notwendigkeit.

Aber warum brauchen wir Freunde, außerhalb der Funktionen Arbeit und Sexualität?

Uns ist das Gefühl wichtig, unter Unseresgleichen zu sein.
Wir zeigen uns gerne, reden gerne von uns; es erleichtert, von sich zu reden.
Warum?
Erstens werden wir in der Zusammen- und Auseinandersetzung mit unserer Umwelt erst unseres Ich bewusst.

Zweitens wollen wir unsere Erlebnisse mit Anderen teilen. Wir wollen sie mit Freunden teilen, mit Leuten, von denen wir wissen, dass sie uns verstehen! Warum?
Weil wir unsere Erlebnisse hinterlassen wollen. Wir wollen sie auf eine andere Festplatte kopieren, wir wollen eine Erinnerung hinterlassen, uns geistig fortpflanzen, um so in anderen weiter zu leben! Das ist der Vorgang, der uns tief im Innern irgendwie die Beruhigung gibt, sterben, resp. nicht sterben zu können.

Wenn wir mit Unsresgleichen zusammen sind, wird unsere Angst beruhigt, alleine zu sein. So fühlen wir, dass wir nicht nur einzelne Inseln, sondern auch eine Erde sind! Mit geselligen Kontakten bis in die tiefen Liebesbeziehungen und Freundschaften machen wir unsere Seele polymorph!

Freundschaft bedingt Empathie, und Empathie scheint mit das Fühlen des Selbst im Anderen zu sein. "Was du dem Geringsten meiner Brüder tust, das hast du mir getan!"

Wirklich sich Liebende beschreiben ihre Gefühle oft mit den Worten, "unschlagbar, unsterblich" zu sein. Das ist eine Ahnung von der wirklichen Polymorphie. Polymorphie ist ja der Tatbestand der Unsterblichkeit.

Kinder werden gewollt, weil man sie mit den eigenen genetischen und sozialen Programmen prägen will. "In meinen Kindern lebe ich weiter!", heißt ein viel gehörter Satz.


Kinder spielen gerne Erwachsene nach, Pantomime und Schauspielerei sind auch bei Erwachsenen sehr beliebt: Auch das In-Sich-Aufsaugen, das So-Sein-Wollen wie Andere ist ein Ausdruck der Bedürftigkeit nach seelischer Polymorphie!

Polymorphie ist ein existentielles Bedürfnis, und nirgendwo schafft die Natur Bedürfnisse, wenn sie nirgendwo die Dinge zur Verfügung stellte, mit der wir sie befriedigen können. Wo Hunger ist, ist auch zu essen. So müssen wir das auch mit unserem Bedürfnis nach Leben sehen.

Und neben der Angst, die wir brauchen, um uns durch richtige Handlungen aus einer Gefahr zu begeben, gibt es auch mindestens einen Weg, der uns von dieser Angst befreien kann! So müssen wir das mit unserer Angst vor dem Tod ebenfalls sehen.




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