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Die Diskussionsunfähigkeit der Gläubigen



Glaube in Religion, Abt. 1


Wie diskutiert der Wahrheitssuchende mit den Gläubigen?
Der Wahrheitssuchende sucht erst die Wahrheit und belegt damit seine Positionierungen mit einem gewissen Zweifel. Während der Gläubige die Wahrheit ja schon zu 100 % zu haben glaubt.
Der fragende und zweifelnde Wahrheitssuchende diskutiert, der "überzeugte Gläubige" missioniert.
Der Gläubige ist in der Regel nicht an substanzielle Diskussionen interessiert, weil die sehr bald schon die logischen Widersprüche des Glaubens offen legen. Dann flüchtet der Gläubige in sein angelerntes Raster, nachdem der Glaube höher als das Wissen steht und daher undiskutierbar sei! Diese Karte hält er ständig in der Hinterhand, mit der er jederzeit die gemeinsame Basis verlassen kann, den DIALOG!



Glaube in Wissenschaft


Die Wahrheitssuche fordert Unbefangenheit. Das ist leichter gesagt als getan.
Der Mensch neigt offenbar dazu, sich voreilig in gefestigten Systemen beheimatet zu fühlen. Er will Sicherheit und bringt sich um die Früchte seiner Flexibilität und Kreativität.
Der Lernende ist - ebenso wie andere Menschen auch - in den Schulen und Hochschulen in eine hierarchische Gemeinschaftsstruktur eingebunden, in der er sich gerne an bestimmte Autoritäten orientiert und oft ihre Denkmuster übernimmt. Der Unwissende legt sich gerne vorschnell fest. Der Unwissende gesteht nicht gerne, dass er das aristotelische Eingeständnis, zu wissen, dass er nichts wisse, teilt. Dazu muss man in seinem Lernprozess schon ein wenig weiter fortgeschritten sein.
Die Lernenden brauchen Mentoren, die ihnen den Zweifel und die gesunde Kritikbereitschaft, auch gegen ihre eigene Lehre, erst einmal lehren.

Die Forschungs- und Arbeitsvorbereitungsabteilungen der großen Firmen und die so genannten "Denkfabriken" der Großindustrie kennen für die Produktverbesserung und -entwicklung die Ideenfindungsmethode des Brainstorming. Wildeste Spekulation. 99,99 % der gebrachten Vorschläge sind letztlich nur für den Papierkorb reif. Aber diese eine zehntel Promille hat die Qualität von Verwertbarkeit.

Diese Denkmethode befreit dich von der Angst für dumme Gedanken durch Verhöhnung abgestraft zu werden.
Er wäre zu wünschen, dass sich mehr Wissenschaftler neue Denksysteme erschließen und auch mal den Mut haben, Spekulationen zu folgen, die möglicherweise hinterher nur zu verwerfen sind.
Es wäre ebenfalls wünschenswert, dass sie einmal von ihrem hohen Ross herunter stiegen und aufhörten, alle wertvollen Gedankengänge ohne ernsthafte, mit der nötigen Unbefangenheit vorgenommene, Prüfung, zu verwerfen, weil sie erstens nicht den staatlich geförderten Lehrtempeln, zweitens nicht den herrschenden Denksystemen und drittens nicht den Köpfen von Forschern entspringen, die einen Professor Doktor Doktor vor ihrem Namen tragen.
Nichts gegen Doppeldoktoren mit Lehrauftrag.
Nur scheint mir der Glaube an das hoch dekorierte verbeamtete und daher unproduktive Kastenwesen der Wissenschaft für die Wahrheitsfindung in verschiedenen Punkten doch eher hinderlich zu sein...



Glaube in Politik


Die Politik ist in besonderem Maß von Glaubenspostulaten durchsetzt. Der eine glaubt an die Freie Marktwirtschaft, der andere glaubt an der Allherrschaft des Kapitals, wiederum andere halten per se jeden Politiker für doof oder korrumpiert.
Politische Haltungen sind viel zu oft von hartnäckigen Vorurteilen durchsetzt.
Politik-Diskussionen verlaufen nach aller Erfahrung oft zäh und sind schwer auf einen Ausgangspunkt einsehbarer Interessenlagen zurück zu führen.
Es gibt z.B. noch alte Kommunisten und Neokommunisten, die in jeder Diskussion wütend ihre Agit-Prop-Theorien verteidigen. Besonders in diesem atheistischen Kommunismus haben die Politik-Grundsätze den Status der Unantastbarkeit und machen ihn damit zu einer Quasi-Religion, deren Glaubens-Grundsätze heilig gesprochen sind. Wer die verletzt, macht sich schnell zum Teufelsanbeter resp. zum Klassenfeind.
Beispiele finden sich links, in der Mitte und rechts.

Gerade in der Politik ist die Leidenschaft oft größer als der Verstand, der in ihren Wogen schnell ertrinkt.
Ich glaube nicht, dass man begreift, wenn man kocht.
Das Leben braucht seine Temperatur.
Die Wut braucht seine Temperatur.
Aber auch der leitende Verstand braucht seine Temperatur.

Der Mensch hat eine Neigung zur Religiösität. Zu festen Zielen, zum sinnvoll gesetztem Kampf und dass die Not bitteschön bald ein Ende haben möge.
Er mag keine Zweifel, Zweifel werfen zurück.
Er mag Mentoren, denen er folgt wie ein Hund. Selber denken strengt zu sehr an... Könnte ja sein, dass andere dann mitkriegen, von der Sache doch nicht so viel Ahnung wie vorgegeben zu haben....
Er ist lieber Soldat oder Missionar seines Herrn.



Glaube in Religion, Abt. 2


Aber genügt dir das Vorurteil?
Macht dir die Unsicherheit angst, "nur" auf dem Weg der Wahrheit zu sein?
Strengt dich die Wanderung zu sehr an?
Genügt dir die Religion?
Hast du die Befürchtung, dass deine Persönlichkeitsdarstellung Schaden nehmen könnte, wenn du ein dummes Ausrufungszeichen zu einem zu wissen beginnenden Fragezeichen biegst?

Vieles von manchen Wissenschaftlern hat mit Scheinen und Glauben zu tun, und das macht die Unbefangenheit der Beobachtung schwer.
Wie schwer muss dann aber dem Religionsverhafteten die Unbefangenheit und das klare Denken fallen, der all die ihm gelehrten möglichen Strafen Gottes ernsthaft verinnerlicht hat! Der Glaubenssysteme sich angeeignet hat, deren Lauterkeit nicht mehr nach zu vollziehen sind.

Warum wurden bei der Kanonisierung der Bibel im 1. Jahrhundert mehrere Evangelien - wie das Thomas-Evangelium - ignoriert?

Der Gläubige wird sich auf Diskussionen in einem bestimmten Rahmen wohl schon einlassen. Den logischen Schlussfolgerungen eines gesunden Menschverstandes wird er sich aber entziehen, wenn es um die Kritik seines Glaubens, resp. seiner Schriftinterpretationen, geht.
Solange er den religiösen Suggestionen ausgesetzt ist und den Glauben höher setzt als seinen Verstand, solange ist er für den notwendigen substanziellen Dialog verloren.



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