Das Dialogkonzept ist ein Erkenntniskonzept.
Es steht dem religiösen Kommunikationskonzept der Predigt diametral entgegen.
Die Religionsverhafteten wissen sich im Besitz der Wahrheit.
Der Dialogiker weiß, dass es aus der Position eines Menschen keine Erkenntnisgrenzen gibt, wenn er auch gefestigte Handlungsorientierungen wie Moral und Gesetz für notwendig erachtet. Sie dürfen und müssen aber hinterfragt und auf den Boden der Nützlichkeit gestellt werden, der besser eingesehen oder der sich auch verändern kann.
Der Dialogiker räumt die Möglichkeit des Irrtums ein.
Erkenntnis wird aus einem qualifizierten Prozess der Rede und Gegenrede gewonnen.
Die Parteien haben den sinnvollen Austausch realer Informationen zum Zweck der Erkenntnisgewinnung zum Ziel.
Das Dialogfeld ist kein Kriegsschauplatz eitler Platzhirsche, die das Ziel haben, den Anderen niederzuringen. Das Dialogziel ist nicht gegeneinander gerichtet, es ist ein Gemeinsames: nämlich die Erkenntnis.
Die Parteien bemühen sich darum, einander zu verstehen, d.h., die Gedankenstränge der Anderen nachzuvollziehen. Sie bemühen sich darum, sich verständlich auszudrücken. Die schillernde Rhetorik, die allenfalls den Zweck hat, zu beeindrucken, aber nicht zu informieren - also Desinformation betreibt - ist unerwünscht.
Respekt vor dem Andersdenkenden und eine ausgereifte Bereitschaft zur Selbstkritik sind Grundvoraussetzung für den Erkenntnisweg.
Jeder hat sein eigenes Erfahrungspanorama, aus dem er seine Gedankenstränge gewinnt. Und die (der Anderen) kannst du dir evtl. zunutze machen, wenn sie verständlich kommuniziert sind - und du gut zuhören magst.
Zudem kannst du dich selber der Technik der Rede und Gegenrede unterwerfen, indem du dich einer angemessenen Selbstkritik stellen kannst. Du selber kannst dich also neuen Gedankensträngen stellen und deren Ergebnisse mit deinen alten vergleichen. Eine andere Perspektivbetrachtung wird das Gesamtbild verschärfen können.
Wenn du dich auf Alternativbetrachtungen aus dir heraus nicht einlassen kannst, dann kommt die Kritik schon von ganz alleine: die thematisch gebundene und die an deinem Sozialverhalten...
Die kollektive Gedankenarbeit wird dich dahin bringen, zu erkennen, dass "niemand die Weisheit mit Löffeln gegessen hat", wie es ja so schön heißt.
