Wie empfindest du einen Manager, der die Arbeitsstrukturen seines Teams so gestaltet, dass sie ihn unersetzlich machen? Gut für sein Ego? Gewiss aber unvernünftig für das Team.
Wir empfinden es zu recht als falsch, mit der Absicht zu leben, eine möglichst schmerzhafte Lücke zu hinterlassen. Wir müssen ganz im Gegenteil schon zu Lebzeiten dafür sorgen, dass unser Weggang möglichst wenig Chaos und Schmerz erzeugt. Und das will man auch, wenn man seine Mit-Menschen liebt.
Man muss aus dem System "Ich" heraus treten. Dann kann man sich selbst beobachten. Dann erkennt man seine Ersetzbarkeit. Willst du deine Ersetzbarkeit?
Jeder gute Vater, jeder gute Team-Führer wird Befriedigung finden, wenn er die Weichen so gestellt hat, dass er weiß: Es geht auch ohne ihn. Das nenne ich die Positionierung des Außen-Ich im Ich!
Eitel wirst du keine Chance auf eine solche Erkenntnis haben - mit einem von Selbstliebe beherrschten Bewusstsein, das seine Partner nur als Projektionsfläche seiner - selbst so eingeschätzten - Fähigkeiten braucht.
Du musst aus dem System "Ich" heraus treten. Das klingt möglicherweise als nicht machbar, aber jeder tut das bereits, indem er sich selbst kritisiert oder über sich herzhaft lacht.
Es ist wichtig, aus der egoistischen Betrachtung in die Außenbetrachtung zu kommen, das war und ist nicht nur für die Wissenschaft, das ist für jeden Einzelnen von uns der abstrakt beschriebene Reife- und Erkenntnisprozess.
Dann ist dein geistiges Auge eingeschaltet. Du hast dich in deinem Ich-System nach außen positioniert, du bist "außer dir", trotzdem fühlst du es, und du hast ein Bewusstsein dafür. Wie fühlt sich dieser Standort an? Er fühlt sich gut an! Oder nicht?
"Die völlige Übereinstimmung des Tun mit dem Tao, die völlige Selbstentäußerung, bedeutet Unsterblichkeit." (Lao Tse)
Das Ego soll hier nicht verachtet sein, im Gegenteil: Das Ego ist unser Lebenstrieb.
Aber wir haben durch ihn auch einen Forschungstrieb, und der treibt uns aus dem Ego heraus.
Der Erkenntniswille treibt uns in die liebende Selbstentäußerung. Die uns (möglicherweise?) einen Erkenntnisweg in die Unsterblichkeit weist.
