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Aufklärung - Die Genese der Befreiung: Die Emanzipation der Moral


Wer, außer den Herrschenden, hätte sonst die Fehlentwicklung von Gesetz und Moral korrigieren können? Zu Zeiten der Entstehung von Gesetz und Moral gab es noch keine Demokratie. Die herrschende Schicht und ihre Führer machten "im Namen Gottes" was sie wollten. Für Gläubige ein meterhoher Eisenzaun vor der Freiheitsverheißung einer demokratischen Emanzipation. (siehe "Zur Genese des Paktes der weltlichen Macht mit der Religion")

Noch bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts hieß es hier in unseren fortschrittlichen Breitengraden, dass der Kaiser von Gottes Gnaden sei. Das schloss auch gleich die Gottgegebenheit der Gesetze mit ein.

Ab dem 17. Jahrhundert entwickelte sich aber die Bewegung der Aufklärung, die sich langsam aber sicher bis in die politische Gestaltung durchsetzte.
Kant formulierte: "Die Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen... Habe Mut, dich deines Verstandes zu bedienen!"

Der Verstand emanzipierte sich als Quell der Erkenntnis; und so zermahlten die schon immer auch von religiösen Kasten getragenen Despotenschaften in den Mühlen der Demokratie.


Verantwortung

All die Gottgewalt der Fürsten und Kaiser, im Bösen wie im Guten, all die Macht und eingebildete Macht wurde durch die Demokratie auf das Volk übertragen, das Volk hatte ab jetzt die Verantwortung für seine Gesetzgebung - das Volk, das in seiner Gesamtheit natürlich geistig produktiver, vielfältiger und kreativer ist, als einzelne Führer es jemals sein konnten.
Allerdings ist eine ausreichende Bildung Voraussetzung dafür, diese Verantwortung tragen zu können. Dafür hatte sich die allgemeine Schulpflicht durchgesetzt.

Jeder Einzelne aus dem Volk bringt ja dieselben geistigen und sonstigen Potenziale ins Leben wie die seinerzeit selbst befundenen Gottbefohlenen auch. Jeder Einzelne von ihnen hat bisweilen "Das-ist-es!"-Kicks, die er ebenfalls als eine besondere Eingebung von oben oder sonst woher empfinden können mag.
Man traute, im Gegensatz zu früheren Zeiten, jedem etwas zu, und diese Fähigkeiten wurden erstmals logisch begründet, nicht nur mit einer dahergeschwafelten "Legitimation Gottes".
Jeder Einzelne von ihnen ist, von seiner Beschaffenheit her, Gottes Medium. So wird man das in die Richtung der Gott-Kaiser-Gläubigen sicher argumentiert haben mögen und können.

So lernten wir, dass nur in einer Demokratie Gesetze gemacht werden, die die Interessen des Volkes vertreten, und keine, die für die Gotteskriege und anderen zweifelhaften Eigeninteressen eines größenwahnsinnigen und abgesegneten Potentaten stehen.


Was wir - in der Gesamtheit der Völker - noch nicht so recht gelernt haben, das ist die Verantwortung über unsere Moral. Die wird noch zu sehr in den Verantwortungsbereich der Religion und als Gottesdirektive gesehen. Um dieses Kulturgut Moral kämpfen noch die Religionen und die säkularisierte Welt.

Nietzsche sagte - gekürzt übersetzt - dass das Ablegen des Gott- und Kaiserglaubens uns - aus der Entmündigung in die umfassende Eigenverantwortung bringend - zu Übermenschen erheben wird.
Das Wort "Übermensch" benutzte vor ihm niemand. Aber mit ihm liegt er durchaus in der Intention anderer Propheten:
"Der Messias wird kommen!" (Altes Testament)
"Es wird Größere geben als mich!" (Jesus von Nazareth)
"Die Menschheit befindet sich in der Vorgeschichte der Menschheit!" (Karl Marx)

Nietzsches Übermensch ist das Produkt seiner "Umwertung aller Werte" - und mit der machte N. nmM den gleichen Fehler wie später genauso LaVey (Artikel: "Die Verbindung zwischen Kirchen und Sekten/Satanismus") unterlief: Er entband den Menschen von der gottdiktierten Moral, ohne ihm aber den Weg zu einer neuen, menschengemachten und -gerechten Moral zu weisen.
Der Übermensch ist amoralisch und damit eigenbezogen, gesellschaftsunfähig und allein.
Niemand kann ausschließlich aus seinem "Willen zur Macht" (Nietzsche) leben, ohne die anderen Individuen zu berücksichtigen, die schließlich, jeder aus sich heraus, auch über einen "Willen zur Macht" verfügen.

Nietzsche hat uns aber, nach meiner Auffassung, auf einen richtigen Weg gebracht, auf dem er selber jedoch auf halber Strecke stecken geblieben ist. Der gottbefreite Mensch ist nicht amoralisch. Die Moral ist kein Gottesprodukt! Gott produziert nichts. Weil es ihn nicht gibt. Der gottbefreite Mensch schafft sich seine Moral aus seinen gesellschaftlichen Notwendigkeiten heraus - wie die Gesetze - selbst.


Verstehen

Nicht töten,
nicht verletzen,
kein Rassismus,
Schwachen helfen,
nicht lügen, stehlen, Partner betrügen usw.,
das alles ist gute, eherne Moral.
Die wurde uns ja vom Juden- und Christentum überliefert. Nicht schlecht.
Aber sie wurde uns von Gott gegeben überliefert.
Und "von Gott gegeben" ist eine Direktive, die man nicht zu hinterfragen hat. Schon gar nicht, wenn dumme Fragen den bösen Blick eines gewaltbereiten Gottes provozieren...
Die Moralbildung dieser Zeit bewegte sich von oben nach unten, sie war autoritär.

Diese Moral ist - an sich! - gute Moral!
Aber die autoritäre Vermittlung verhinderte seine Verständlichkeit, resp. unser tieferes Verstehen, den Zugang unseres Verstandes zu ihr.

Wir können oft beobachten, wie archaisch, wie die Raubtiere, wir uns oft zueinander benehmen, unzivilisiert, unaufmerksam, unempathisch, schadenfreudig, auf Eigennutz bedacht.
Beispiele erfährt und erinnert jeder zuhauf.

Autoritär vermittelte Moral, ist unverarbeitete und darum in ihrer Tiefe unverstandene Moral!

Der gläubige Mensch verlässt sich auf Gottes Führung und lässt sich selber für die bösen Handlungen frei - wenn er sich Gottes Einverständnis für sie einbildet. Er handelt sein Verhalten nicht mit sich und seinen Brüdern und Schwestern auf diesem Planeten aus.
Die Quäker und Mormonen, die in Gottes Namen ein Riesenland okkupierten und es mit dem Blut seiner Ureinwohner und der versklavten Arbeitskraft der Schwarzen aufbauten, sind das beste Beispiel hierfür. Zur Selbstgerechtigkeit und Missionierung neigen viele, manchmal die meisten, der Nordamerikaner immer noch.

Was wir brauchen, ist logisch durchdrungene, verstandene Moral.

Verstandene Moral wirkt sich in alle Lebensbereiche aus, auch in die, die nicht durchgekaut und stundenlang diskutiert worden sind. Verstandene Moral braucht nicht für jeden Mist einen Warnruf oder gar ein Gesetz.

Deswegen, u.a., halten wir die Ethikkunde, die auch den Sinn der Ethik tief greifend analysiert, für unendlich wertvoller, als den zu ihr alternativen Religionsunterricht.

Moral, das ist ein intelligentes Programm, das sich des Egoismus´ bedient, produktiv, nicht zerstörerisch, selbstzerstörerisch zu handeln und anerkannt und geliebt werden zu wollen!




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