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Der passive und der aktive Atheist



Der passive Atheist glaubt nicht an einen Gott. Ihm ist aber auch die Wirkung der Religion auf seine Mitmenschen und auf die Gesellschaft egal.

So ist der passive Atheist auch verantwortlich dafür, dass von vielen, wahrscheinlich den meisten, die Religionen auch heute noch als die Monopolanbieter für ewiges Leben angesehen werden. Dieses Bewusstsein ist verantwortlich für die immer noch große Macht der Kirchen: Die meisten Gläubigen halten die Kreuzigungsgeschichte, die Jungfrauengeburt und die Wundertaten Jesus' zwar für Märchen, glauben aber daran, dass (nur) ein Gott dazu befähigt ist, das Füllhorn des ewigen Lebens über die Gläubigen auszuschenken. Denn an das ewige Leben zu glauben, fällt vielen leichter, als die Angst vor dem Tod einzugestehen, und den Tod (als endgültiges Ende) als Fakt zu akzeptieren. Also sind sie vorsichtshalber dem Christentum wohlgesonnen. Man kann ja nie wissen... Und in einer anderen Form an ein ewiges Leben zu glauben, das entspricht offensichtlich noch nicht dem allgemeinen Lehrgut, man hat es ihnen noch nicht beigebracht.
Diese Christen sind "notgläubig". Die Bibelkenntnisse dieser "Gläubigen" sind jedoch recht dürftig. Sie interessieren sich nicht für ihre Philosophie oder ihren Wahrheitsgehalt: Sie halten sich nur flüchtig an eine Hoffnung fest - in der bösen (und lieber verdrängten) Ahnung der inhaltlichen Nichthaltbarkeit. Also beschäftigen sie sich lieber nicht damit.
Auch die Religionslehrer scheinen kein sonderliches Interesse daran haben, bei ihren Schülerinnen und Schülern ein Interesse an der Bibel außerhalb der von ihnen verabreichten Texte und - vor allem - Interpretationen zu wecken. Ein appetitangeregter Geist stellt doch nur dumme Fragen...

So trägt der passive Atheist dazu bei, den Boden für die böse Saat der Religion(en) fruchtbar zu halten.

Der aktive Atheist fordert die Religionsverhafteten zu einem substanziellen Dialog. Er erinnert sich an seine eigene Kindheit, seinen selbst erfahrenen - evtl. erlittenen - Religionsunterricht, und sieht zu, dass seinen Kindern keine unnötige Angst eingejagt wird - und sie an der freien Entwicklung ihres logischen Denkvermögens nicht nachhaltig gehindert werden.
Trotz relativ hoher Bildung ist die Quote der Religionsverhaftung noch sehr, sehr hoch. Das liegt an der nachhaltigen Prägung durch den Religionsunterricht für Kinder in den Schulen. Was den Kindern eingeprägt wurde, überwinden sie nur schwer. In der damaligen DDR gab es keinen Religionsunterricht in den staatlichen Schulen, und in Ostdeutschland ist der Anteil der Gläubigen entsprechend geringer. Obwohl die Erwachsenen heute keine Angst vor staatlichen Repressionen haben brauchen, sich zu (einem) Gott zu bekennen.

Der aktive Atheist ist sich des Wertekonfliktes bewusst, dem ein Gläubiger unterliegt: Steht das Menschenwort (Gesetz) über das Gotteswort? Wer interpretiert das Gotteswort? Der evangelische oder katholische Priester, der vorehelichen Geschlechtsverkehr zwar vielleicht nicht billigt, aber nichts dagegen tut? Der Pastor, der entgegen dem Pauluswort, sogar schwule Paare traut? Der seine Schäflein nicht nachhaltig wegen den leeren Kirchen warnt? Nicht nachhaltig mit den Jüngsten Gericht droht? Weil er Angst vor Mitgliederschwund hat, passt er sich der weltlichen Entwicklung an! Ist es da nicht besser, zu den Sekten, wie den Zeugen Jehovas zu gehen, die das Gotteswort etwas ernster nehmen?
Noch größeren Konflikten ist ein Muslim ausgeliefert, der im Koran Allahs Aufforderungen zu Gewalt und Mord, besonders gegen die Giauren, festgeschrieben sieht.

Der aktive Atheist stellt sich seiner Verantwortung, seinen Text gegen die Predigttexte zu stellen! Er thematisiert die Moral und löst sie aus dem Alleinvertretungsanspruch der Religion! Er sieht die Moral als eine Menschenaufgabe und eine menschengemeinschaftliche Notwendigkeit, analysiert ihre Funktionen und trägt so zu einem besseren realitätsnahen Verständnis von Moral bei. Was du funktionstechnisch kennst, das kannst du auch besser bedienen.

Der aktive Atheist thematisiert auch das ewige Leben. Damit bestreitet er - neben der Moral - den zweiten Monopolanspruch der Kirchen, resp. der Religion.

Der Atheist hat den Vorteil, nicht blinden, hanebüchnen Glaubenssätzen blind folgen zu müssen, er schaut sich das Angebot der Wissenschaften an, er prüft die Begründungen, lässt sich von ihnen erfassen oder lässt es sein, macht sich seine eigenen Gedanken und kann weiter suchen.
Und eins sei (wie schon in dem Kapitel: Operation Erkenntnis: Der Tod als Forschungsobjekt) gesagt: Die freie, intuitionsgeleitete Suche nach dem "ewigen Leben", ohne Glaubenszwang, im Feld der nahe liegenden Spekulation - naheliegende Spekulation: weil und sofern es Beweise (noch) nicht gibt - ist spannender, aufregender, interessanter und anziehender, als der angeblich von Zweifeln befreite wild spekulierte in tiefer Überzeugung eingebettete Glaube, der eine weite Suche verbietet und auch nicht für nötig hält. Diese nahe liegende Spekulation erfasst dich mehr, weil sie die Schwerkraft der Wirklichkeit, die Schwerkraft der Wahrheit - mehr als diese mit der Gewalt der Angst einsuggerierte Glaube - spürt.






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